Kleopatra 1

So hier mal eine Geschichte aus der Wissenschaft. Wir haben Verstärkung im Team bekommen, Kleopatra ist unser neuester Kollege. Mit einem Stipendium vom Deutschen Akademischen Austauschdienst darf Kleopatra bei uns promovieren. Doch da die Geschichte ein wenig komplexer ist, teil ich sie in verschiedene Kapitel auf.

Kleopatra ist studierter Pharmazeut und soll bei uns in der Pflanzenforschung helfen. Zuerst freute ich mich tierisch darüber, dass ich als Pharmazeut im Biologensammelsurium Verstärkung erhalte. Nach einem kurzen Kennenlernen und Gespräch mit dem Chef stellt sich heraus, dass sein Studium wohl zum größten Teil theoretisch war. Kein Problem ich bin motiviert und will ihm gerne auch die Kniffe und Tricks vom nasschemischen Labor und auch der von mir inzwischen beherrschten Molekularbiologie beibringen. Passt auch super, da ich gerade parallel eine neue Bachelorstudentin bekomme und ich denke parallel geht das super.

So beginne ich ihm also am Tag 1 die Grundlagen zu zeigen, mal eine PCR ansetzten zu lassen und wie man mit den Coli-Bakterien in jedem Labor umgeht. Er fragt mir ein Loch in den Bauch aber ich finde das völlig ok, läuft doch alles in dem Rahmen in dem ich mir das vorgestellt habe.

Tag 2 hingegen sehe ich das mir etwas völlig anderem beschäftigt ist, als die Sachen die ich mit ihm machen wollte. Ok, ich frage Ihn was er macht und er macht schon wohl nach einem Gespräch mit Chef Sachen aus Seinem Promotionsprojekt. Dazu fängt er an mich ständig Sachen darüber zu fragen, ein Themengebiet wo ich nicht so einfach was aus den Ärmeln schütteln kann. Und dann besteht er parallel noch darauf das ich Ihm weiter alles zeige…..das ist der Punkt wo ich meinen Plan und auch meine Motivation für seine Einarbeitung und Ausbildung aufgebe. Ok der Chef möchte das er anfängt und er hat nicht gesagt er braucht mehr Einarbeitungszeit, geht ok. Aber damit ist mein Part dann vorzeitig beendet, wenn Du dem Chef signalisierst das Du loslegen kannst, dann kannst Du auch weiter selbstständig durch Eigenrecherche die Techniken lernen…..leider noch nicht das Ende…

Ich lebe noch…

Ja also ich habe schon eine ganze Weile nichts geschrieben, Asche auf mein Haupt. Die Sache ist nur, dass ich gerade versuche Promotion und Apotheke gleichzeitig zu machen. Völlig bekloppt weil eigentlich habe ich gerade 2x Vollzeitstellen. Aber die Geschichten reißen nicht ab und deshalb schreibe ich doch weiter…

Nicht lieferbar… Die nette Pharmaindustrie

… die beiden Worte sind ein kleiner Horror für die Apotheke. Ich soll einen Patienten versorgen mit haloperidol forte Lösung N3. Der Blick in den Computer verrät mir aber folgendes:
 
Kein Hersteller kann die liefern, bei unseren Großhändlern heißt das rote Kreuz nicht verfügbar. Was mach ich nun? Naja die N1 ist lieferbar, also bestelle ich 3 x die N1 Packung und denke wir bleiben wohl auf den Mehrkosten dafür sitzen, allerdings ist der Patient versorgt. Es wird allerdings nur eine geliefert und anschließend sagt mir der Computer für die N1 folgendes 

   

 Juhu die N1 ist auch nicht mehr zu bekommen. Also nun haben wir den Spaß ein Arzneimittel ist nicht mehr zu bekommen. Ich muss also mal mit dem Arzt sprechen, ob es in Ordnung geht wenn wir eine andere Stärke abgeben und dann die Dosis anpassen.

Wie konnte es soweit kommen im Pharmaparadies Deutschland? Die Antwort liegt in den Rabattverträgen. Die meisten Kassen haben einen Vertrag mit dem Hersteller neuraxpharm abgeschlossen und die anderen Hersteller haben ihre Produktion eingestellt. Jetzt hat neurax Probleme und auch die Patienten.

Und wir den Ärger…

Das super dringende Notfallrezept

Es ist Samstag mittag und ein Mann im Anzug betritt die Apotheke und reicht mir ein Rezept mit den Worten: “ Ich brauche das alles sofort“

Mein inzwischen geübter Blick sieht sofort das es sich um ein Antibiotikum handelt. Deshalb ist auch mein erster Gedanke: Rabattverträge interessieren mich nicht, der Mann muss versorgt werden. Leider fällt mir dann auch ein, dass das Verordnete Vancomycin ein Reserveantibiotikum ist….das wir auch nicht da haben. In keiner Größe und Stärke…die Packung kostet auch 440 Euro… Die nachbarapotheke hat es natürlich auch nicht da und aufgrund eines regionalen Großereigniss bekommen wir heute auch keine Lieferung mehr. Ich muss ihn auf Montag vertrösten und er macht mir Vorhaltungen…nein Vorwürfe da sehe ich das das Rezept 14 Tage alt ist. Darauf angesprochen:

Ja der Arzt sagte ich soll es rechtzeitig bestellen bevor meine Packung leer ist. Und morgen ist sie leer.

Ja mein Lieber rechtzeitig wäre was anderes… Aber nach einem Gespräch stellt sich raus, dass Montag morgen ausreichen würde…ich solle es dann aber bitte wenigstens ihm um 8 nach Hause bringen….. 

Na klar dafür habe ich schließlich studiert um Deine Fehler auszubügeln Junge….naja das habe ich mir nur gedacht, gesagt habe ich selbstverständlich mache ich das. Und in Zukunft wäre es gut wenn er das zeitlicher einreicht, da fast keine Apotheke das auf Lager hat. Dafür würde ich nochmal beleidigt, da nur wir nie alles auf Lager haben… Schöne neue Welt. Dienstag ist sie schon wieder vorbei

Ich brauche was von Ratiopharm…

Mein Kollege hatte heute einen schönen Fall.

Frau: Ich brauche was von Ratiopharm

Kollege: Guten Tag, für welche Symptome denn?

Frau: Das weiß ich nicht, ich soll etwas von Ratiopharm mitbringen

Kollege: Es gibt ganz viele Medikamente von Ratiopharm ich benötige schon ein paar Informationen mehr

Frau: Nein ich soll das mitbringen. Sie will damit gurgeln…dann muss ich es wohl woanders probieren sagt sie und geht. Wisst ihr es ist super hilfreich wirklich zu wissen was man will…ich schreie demnächst auch mal den Gemüsehändler an wenn ich Bio-Gemüse will und er nicht erahnen kann was ich brauche.

Die Ingo zum Gurgeln ein wenig früher wäre auch super…es gibt nämlich tatsächlich Ratiopharm-Gurgellösung…aber die hätten wir gar nicht auf Lager…

Die Blogpause…

… Sie dauerte eine ganze Weile und ich brauchte die Zeit um über meine Zukunft nachzudenken.  Was will ich und was kann ich?

In weniger als 2 Wochen ist die finale Prüfung und deshalb musste ich mich entscheiden

Meine Optionen waren: 

– Industrie

– Angestellter Apotheker

– Promotion

– Selbsständiger Apotheker
Und entschieden habe ich mich, was denkt ihr? Ich verrate es sehr bald hier

Rezepte für andere…für sich selber

Ich berichtete ja im letzten Post über Oma X und der schönen Importverpackung. Was ich euch dabei verschwiegen habe war ein ganz anderer Punkt: Auf dem Rezept stand das Geburtsjahr „04.06.10“ und ich dachte mir schon die hat sich aber ziemlich gut gehalten für 104. Der Vorname war allerdings auch ein wenig komisch, wer erwartet schon das eine 104 Jährige den Namen Mandy-Chantalle(natürlich in kinderdokscher Manier geändert) trägt. Auf Nachfrage kam denn auch heraus, dass das Rezept für ihre Enkeltochter war, sie lässt sich vom Arzt immer OTC-Sachen für ihre Enkelin die sie betreut aufschreiben und dann „teilt“ sie die Sachen mit ihrer Enkelin.
Einige mögen denken, sehr einfallsreich und gut wenn der Arzt das mitmacht. Aber die Wahrheit ist doch, dass sie damit unnötig Kosten verursacht. Ich finde das nicht in Ordnung….aber ich bin ja nur der Pharmazeut im Praktikum.